Zeitsedimente
(Darstellung der Werke nach Serien)
Der Künstler erforscht durch die konsequente Entwicklung eines monochromen Bildraums die Möglichkeit von Farbe als geistigem und emotionalem Erfahrungsfeld. Beherrscht von einem hochintensiven warmen Gelb entfaltet sich das Werk als ein nahezu grenzenloser Farbraum, in dem Zeit, Erinnerung und Emotion Schicht um Schicht abgelagert und durch feine Gesten sowie vielschichtige Oberflächenstrukturen wieder sichtbar werden.
Anstatt auf gegenständliche Erzählungen zurückzugreifen, entsteht die Komposition aus überlagerten Farbfeldern, fließenden Spuren und horizontal ausgedehnten Rhythmen. So bildet sich ein visueller Raum zwischen Ordnung und Zufall. Das leuchtende Gelb trägt eine starke emotionale Energie in sich, während subtile Grau-Blau- und Grau-Grün-Töne dem Werk zugleich Zurückhaltung, Ruhe und kontemplative Tiefe verleihen.
In diesem Werk verbindet der Künstler das ostasiatische Konzept des Qi Yun – der spirituellen Resonanz und Lebendigkeit – mit der materiellen Ausdruckskraft der westlichen abstrakten Malerei. Farbe dient nicht länger der Darstellung äußerer Wirklichkeit, sondern wird zum Träger von Emotion, Zeitlichkeit und persönlicher Erfahrung. Die horizontalen Bewegungen auf der Bildoberfläche erinnern sowohl an den langsamen Fluss natürlicher Energien als auch an die Sedimente der Erinnerung, die sich im Laufe der Zeit ablagern.
Letztlich verweist das Werk auf einen Zustand innerer Kontemplation. Es ist zugleich Ausdruck von Emotion und eine fortwährende Auseinandersetzung mit Existenz, Wahrnehmung und geistiger Freiheit. Zwischen Intensität und Stille, Fülle und Leere verkörpert das Gemälde eine zeitgenössische Interpretation des fernöstlichen Ideals tiefer Gelassenheit und innerer Weite.
Nr. 15
Das Werk erschafft durch Schichtungen, Überlagerungen und wiederholte Verdichtungen einen geistigen Raum zwischen Erinnerung und Vergessen. Graublau-grüne Farbtöne bilden die tragende Struktur des Bildes, während aufscheinende Farbreste wie Fragmente vergangener Erinnerungen wirken, die zwischen Sichtbarkeit und Verbergen oszillieren.
Anstelle einer gegenständlichen Erzählung entwickelt die Künstlerin einen Zustand zeitlicher Sedimentation. Die sich kreuzenden und überlagernden Spuren dokumentieren Prozesse des Aufbaus, der Korrektur und des Überdeckens und erscheinen wie Spuren, die die Zeit selbst auf der Leinwand hinterlassen hat. Die subtil sichtbaren Blau-, Rosa-, Gelb- und Rottöne dienen nicht der Darstellung einer äußeren Realität, sondern werden zu Trägern von Wahrnehmung, Emotion und Erinnerung.
Zwischen den dunklen Randzonen und den zentralen Farbschichten entsteht eine präzise und zugleich zurückhaltende räumliche Struktur. Diese definiert nicht nur die visuelle Ordnung des Werkes, sondern verweist zugleich auf die Grenzen menschlicher Erkenntnis. Bekanntes und Unbekanntes, Sichtbares und Verborgenes, Erfahrung und Möglichkeit begegnen sich in einem gemeinsamen Spannungsfeld. Die verdichteten Spuren im Zentrum erscheinen wie Sedimente von Erinnerung und Erfahrung, während die tiefen schwarzen Bereiche an den Rändern daran erinnern, dass wahre Weisheit nicht aus der Beherrschung aller Dinge entsteht, sondern aus der Fähigkeit, dem Unbekannten mit Offenheit und Bewusstheit zu begegnen.
Das Werk thematisiert nicht allein den Verlauf der Zeit, sondern die Art und Weise, wie Zeit Wahrnehmung, Erfahrung und Weisheit formt. Durch die kontinuierliche Verdichtung von Farbschichten entsteht ein offenes und zugleich tiefgründiges geistiges Feld. Hinter der sichtbaren Komplexität verbirgt sich eine Kraft, die nach Ordnung, Bewusstheit und Erkenntnis strebt – als würde Weisheit nicht in einem Augenblick entstehen, sondern sich langsam als Sediment der Zeit herausbilden.
- Technik: Acryl auf Leinwand
- Werknummer:
- Größe: 120 x 160cm
- Jahr:
- Status:
Nr.22 - Eins/Zwei
Das Werk erschafft durch gesättigte und tiefgründige Rottöne ein visuelles Feld voller Spannung und Energie. Schichtungen von Farbe, fließende Spuren und sedimentartige Strukturen verweben sich zu einem Bildraum, in dem Intensität und Zurückhaltung in ein ausgewogenes Verhältnis treten. Rot erscheint hier nicht als bloßer Ausdruck von Emotion, sondern als Manifestation von Lebenskraft, Leidenschaft und innerem Wachstum.
Die Künstlerin verbindet das ostasiatische Konzept des „Qi Yun“ – der spirituellen Resonanz und Lebendigkeit – mit der Sprache der zeitgenössischen abstrakten Malerei. Vertikal fließende Spuren erinnern an den Rhythmus des Atems und den Fluss von Energie, während horizontale Verdichtungen eine innere Ordnung und Stabilität schaffen. Farbe dient nicht der Darstellung äußerer Wirklichkeit, sondern wird zum unmittelbaren Träger von Bewusstsein, Erfahrung und emotionaler Energie.
Als Diptychon bilden beide Bildteile einen zusammenhängenden und erweiterten Energieraum. Die Verbindung zwischen den Leinwänden wirkt nicht trennend, sondern wie ein Übergang innerhalb eines fortlaufenden Flusses. Der Blick bewegt sich frei zwischen den beiden Bildfeldern und folgt einem Prozess von Zeit, Bewegung und Transformation.
Innerhalb der Serie „Zeitsedimente“ untersucht dieses Werk die Wandlung menschlicher Erfahrungen durch die Zeit. Freude und Liebe, Schmerz und Verlust, Hoffnung, Aufgeben und Beharrlichkeit verschwinden nicht, sondern lagern sich Schicht für Schicht im Gedächtnis ab und verwandeln sich schließlich in eine innere Kraft, die das Leben weiterträgt. Das intensive Rot steht dabei sowohl für Leidenschaft als auch für eine durch Erfahrung gereifte Lebensenergie.
Das Werk zeigt keine momentane Gefühlsäußerung, sondern einen Zustand geistiger Verdichtung. Zwischen der zurückhaltenden Bewegung ostasiatischer Bildtraditionen und der Ausdruckskraft westlicher Farbfelder entsteht eine fortwährend wachsende Lebensenergie. Selbst angesichts von Verletzlichkeit, Verlust und Ungewissheit bleibt die Fähigkeit bestehen, aus den Sedimenten der Vergangenheit Mut, Kraft und Zuversicht für den weiteren Weg zu schöpfen.
- Technik: Acryl auf Leinwand
- Werknummer:
- Format:
- Größe: Gesamtmaß 240 × 160 cm (2 × 120 × 160 cm)
- Jahr:
- Status: Privatsammlung (seit 2025)